KlarinettenDoktor

Weber Klarinettenkonzerte No. 1 und 2, Concertino

Ernst Ottensamer, tschechische Staatsphilharmonie Kosice, Johannes Wildner

Weber: Clarinet Concertos Nos. 1 and 2 - Concertino

Zunächst einmal unser Kompliment an Prof. Ernst Ottensamer, der sich am Telefon als lebendiger und freundlicher Gesprächspartner erwies. An dieser Stelle unsere herzlichen Grüße vorweg an seine damalige Examenskandidatin, die kurz vor ihrem Probespiel ihren Satz Klarinetten bei uns generalüberholen lies. Wir wünschen der charmanten jungen Dame alles Glück der Welt und nette Orchesterkollegen für ihren beruflichen Werdegang.

Wie kam ich auf Ottensamers Weber-Einspielung? Es war wohl der reine Zufall, als ich zu Studienzeiten mich unter der Leitung von Prof. Gießer an Webers Klarinettenkonzerten versuchte. Mein Vater, ein alter erfahrener Rundfunkmusiker, riet mir, diese Aufnahme zu Studienzwecken anzuhören. Schon als Student kannte meine Begeisterung keine Grenzen. Endlich ein Interpret an der Klarinette, der Weber nicht als langweilige Etüde oder, noch schlimmer, als Inbegriff übertriebener romantischer Klarinettenmusik versteht.

Die Staatsphilharmonie Kosice begleitet brav und ohne jegliche Allüren, was zur geradlinigen Interpretation Ottensamers beiträgt. Johannes Wildner, als Chef dieser Aufnahme, scheint zu wissen, was Ottensamer will und setzt nicht, wie viele Dirigenten, seinen "künstlerischen" Kopf durch.

Ottensamer versteht es, einen glasklaren, verständlichen Weber, ohne diese pseudoromantischen, übertriebenen Ritardandi und Accelerandi, darzustellen - problemlos, und so sollte es immer sein, spielt Ottensamer "einfach nur das was da steht". Scheinbar hat er begriffen, dass die Literatur, die ein Klarinettist spielt, schon alle Merkmale und Komponenten der jeweiligen Epoche, sei es die der Romantik oder andere, liefert. Einfach nur verstehen, was in den Noten steht, ohne der eigenen, viel zu subjektiven Interpretation.

Die (Gott sei Dank wenigen) Ritardandi, die Prof. Ottensamer einfließen lässt, sind bestens dosiert und grundsätzlich ideal platziert. Auch die Wahl der Tempi zeigt, dass Ottensamer weder hektisch davonläuft, noch auf technischer Seite etwas zu verbergen hat. Wie oft neigen Musiker zu rasanten Tempowechseln, um technische Unzulänglichkeiten zu verdecken.

Erstaunlicherweise klingt die Ottmar Hammerschmidt von Ottensamer im positiven Sinne wie ein Grenzgänger zwischen wiener und deutscher Bohrung. Mit dieser Spielart und seiner Einstellung wäre Ottensamer in jedem deutschen Orchester bestens aufgehoben - aber die Wiener Philharmoniker wissen natürlich, was sie an ihm haben.

Ich kann jedem Klarinettenstudenten vor allem an unseren deutschen Hochschulen nur raten, diese Aufnahme sich zum Selbststudium bei Prüfungen oder Probespielen zu verinnerlichen.

Wilfried Teutsch

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